Projektinhalte

Lernen durch Arbeit und in der Arbeit wird zunehmend ein entscheidender Bestandteil der Weiterbildung in Unternehmen. Denn die Unternehmen stehen vor der Herausforderung, bei schnell wechselnden Technologien und Marktlagen mit demografisch heterogenen Belegschaften die notwendigen Kompetenzen zu sichern. Eine arbeitsbegleitende Weiterbildung in Schulungen und Seminaren reicht dazu nicht aus.

Für erfahrungsgeleitetes Lernen in der Arbeit ist eine lernförderliche Arbeitsgestaltung wesentlich. Oft wird angenommen, dass qualifizierte, wissensintensive Tätigkeiten, wie Ingenieurstätigkeiten, per se lernförderlich seien. Doch aktuelle Untersuchungen zeigen, dass das so pauschal nicht zutrifft. Den Möglichkeiten und Anreizen für Lernen durch Arbeit stehen spezifische Hemmnisse gegenüber. Vor allem zeigen sich Hemmnisse für das Lernen von Erfahrungswissen und erfahrungsgeleitetem Arbeiten.

Erfahrungswissen muss in erster Linie in der Arbeitspraxis erworben werden. Hierbei ist es wichtig, neben den Lerninhalten – welches → Erfahrungswissen wird erworben? – auch die Lernmöglichkeiten in den Blick zu nehmen – Ist Arbeit so gestaltet, dass sie Chancen zum Erwerb von Erfahrungswissen bietet? Der Erwerb impliziten Erfahrungswissens bedarf eines Lernens durch praktisches Tun und „Erfahrung-machen“ ( → Literatur / allgemeine Informationen ). Dabei spielen unmittelbar spürend-sinnliche Erfahrungen und hierauf bezogene Imagination und Reflexion eine zentrale Rolle. Neben fachlichen Kompetenzen befördert erfahrungsgeleitetes Lernen das erfahrungsgeleitet-subjektivierende Handeln und ermöglicht so den Erwerb von Erfahrungswissen.

Das Projekt LerndA zielt darauf…

  • … Hemmnisse für erfahrungsgeleitetes Lernen durch Arbeit bei qualifizierter, selbstverantwortlicher Arbeit zu bestimmen und zur Überwindung dieser Hemmnisse beizutragen

    Erforschung von Lernhemmnissen bei qualifizierter Arbeit

    Die Aus- und Weiterbildung von qualifizierten Beschäftigten ist eine Voraussetzung für die Aufrechterhaltung der Innovationsfähigkeit von Unternehmen. Ingenieurinnen und Ingenieure benötigen neben systematischem Fachwissen ein Erfahrungswissen, das in der unmittelbaren Arbeitstätigkeit zu erwerben ist und kontinuierlich an neue Entwicklungen angepasst werden muss. Es können spezifische Hemmnisse für den Erwerb dieses Erfahrungswissens vorliegen. So kann zum Beispiel die Eingrenzung auf Fachbereiche dazu führen, dass der unmittelbare Kontakt insbesondere mit den Arbeitsbereichen der Produktion erschwert wird; die zunehmende Vermittlung über IT-Systeme kann den erfahrungsbasierten Zugang begrenzen; eine Null-Fehler- Politik der Unternehmen kann aufgrund technischer Sicherheitsrisiken Schwierigkeiten beim Erfahrung-Machen bewirken. LerndA erforscht empirisch diese und weitere Hemmnisse für eine lernförderliche Arbeitsgestaltung.

  • … neue Modelle lernförderlicher Arbeit für diese Beschäftigtengruppen zu entwickeln und praktisch zu erproben

    Erarbeitung und Erprobung neuer Modelle lernförderlicher Arbeitsgestaltung

    LerndA entwickelt Modelle lernförderlicher Arbeit in drei Teilvorhaben, die gemeinsam mit Wirtschafts- und Umsetzungspartnern durchgeführt werden:

    Entwicklung von bereichsübergreifenden Produktionslaboren, in denen IngenieurInnen mit FacharbeiterInnen und TechnikerInnen bei der Entwicklung und Realisierung von Innovationen zusammenarbeiten. Dies geschieht modellhaft bei dem Unternehmenspartner AUDI AG in Kooperation mit der GAB München und dem ISF München.

    Entwicklung von Arbeitsstrukturen für kooperativen Wissensaustausch, bei dem IngenieurInnen in laufenden Arbeitsprozessen ihr jeweils individuelles Erfahrungswissen gegenstands- und handlungsbezogen austauschen und gemeinsam weiterentwickeln. Dies geschieht modellhaft bei dem Unternehmenspartner Siemens AG in Kooperation mit dem ISF München und der GAB München.

    Identifizierung und Weiterentwicklung der Potenziale von kleinen und mittleren Unternehmen zur Umsetzung und Weiterentwicklung lernförderlicher Arbeitsstrukturen. Dabei werden die spezifischen Merkmale von KMU, etwa größere räumliche Nähe und geringere Formalisierung von Fachbereichsgrenzen, genutzt. Diese Aufgabe einer branchenübergreifenden Umsetzung initiiert und unterstützt das ISF München in Kooperation mit den KMU-Umsetzungspartnern.

  • … erfahrungsgeleitetes Lernen durch Arbeit in einer zukunftsorientierten demografiesensiblen Arbeits- und Bildungspolitik zu positionieren und gesellschaftspolitisch zu verorten

    Erfahrungsgeleitetes Lernen durch Arbeit als integraler Bestandteil des Bildungs- und Beschäftigungssystems

    LerndA trägt auf der Grundlage der empirischen und theoretischen Ergebnisse zu einer zukunftsorientierten Entwicklung der beruflichen Bildung und des Bildungssystems insgesamt bei. Es wird aufgezeigt, welche Bedeutung das erfahrungsgeleitete Lernen durch Arbeit auf allen Ebenen des Bildungs- und Beschäftigungssystems hat, und es werden Grundsätze für die integrale Berücksichtigung dieses Lernens in der beruflichen Bildung und Weiterbildung entwickelt.

Analyse

Das Projekt entwickelt ein Analyseraster, um die Anforderungen an eine lernförderliche Arbeitsgestaltung zu bestimmen und Hemmnisse zu identifizieren, die dem erfahrungsgeleiteten Lernen durch Arbeit gerade auch bei qualifizierten Tätigkeiten im Wege stehen. Mit Hilfe dieses Rasters untersucht LerndA empirisch die Lernhemmnisse bei IngenieurInnen und arbeitet heraus, welche Akteure auf welche Weise zu ihrer Überwindung beitragen können. Auf dieser Basis werden Grundsätze für eine lernförderliche Arbeitsgestaltung formuliert. Sie bilden den Ausgangspunkt der Gestaltungsaktivitäten.

Gestaltung

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Bildungspolitische Folgerungen

Der Ertrag der Forschungs- und Gestaltungsaktivitäten wird für die berufliche Bildung und das Bildungssystem insgesamt nutzbar gemacht. Auf Workshops und Tagungen werden Ansätze entwickelt, wie erfahrungsgeleitetes Lernen durch Arbeit integraler Bestandteil aller Ebenen und Phasen einer zukunftsorientierten Bildung und Ausbildung werden kann.